Kinderfragen, Blockupy und warum Feuerwehrleute HELDEN sind

fire-515776_128018. März 2015. In Frankfurt – der sonst so friedlichen Stadt – brennen Polizei-Autos. So heftig habe ich mir diese Krawalle nicht vorgestellt. Es ist zu nah – jetzt fragt sich: politisch werden oder nicht? Partei ergreifen oder nicht? Von außen betrachtet ist das alles ziemlich aus dem Ruder gelaufen. Meine Tochter habe ich heute nicht in den Kindergarten gebracht. Denn ob man will oder nicht, man wird in die Ausschreitungen verwickelt. Von extra „Fan-Zügen“, in denen die Demonstranten schon am frühen Morgen Bier trinkend Pläne schmieden wird berichtet. Wollen sie sich Mut antrinken? Was haben sie vor? Weitere Bilder aus dem Liveticker lassen es erahnen.

„Müssen die Demonstranten die Feuerwehr durch lassen?“, fragt meine kleine Tochter. Ja, sage ich, das müssen sie, sonst wird es richtig gefährlich. Und in mir höre ich eine Stimme: es IST schon richtig gefährlich. Gut, dass wir in einem entfernteren Stadtteil leben. Und dann lese ich, dass tatsächlich Feuerwehrleute blockiert wurden. Die Aggressions-Schürer verhindern eine friedliche Auseinandersetzung mit den Inhalten.

„Können wir heute überhaupt zum Biomarkt laufen?“ hakt die Kleine nach und ich kann mir ihre Bilder im Kopf vorstellen. Ja, antworte ich, hier sind sie ja nicht. Und überlege, wie es ihrer kleinen Freundin aus dem Kinderhaus geht, die in der Nähe der Alten Oper lebt. Ihre Mutter arbeitet dort und sie kann sicherlich nicht über die Straße laufen, Milch holen gehen. Dort wurden Scheiben eingeschlagen und Farbbeutel auf die Fassaden geworfen. Also von den Reserven leben wie im Krieg? Nein, denke ich, Quatsch, so heftig ist es schon nicht und sehe die brennenden Autos, Wasserwerfer, Straßenschlachten, Steinwürfe, Reizgas, verletzte Polizisten und Passanten… Die wollten, dass etwas passiert.

Meine Tochter baut zu Hause eine Höhle mit Absperrseil. Ich muss mich auf den Stuhl, an dem eines der Seile befestigt ist, setzen und das Szenario bewachen. „Hier darf man nicht durch, das ist die Stadtmauer. Das ist die Not-Schranke.“ Eine natürliche Reaktion, würde ich sagen. Kinder verarbeiten alles im Spiel. Wie machen Erwachsene das? Sie erzählen, schreiben, lesen… „Ich bau’ ganz viel Sicherheit!“ ruft sie und verschwindet hinter den Decken ihrer Höhle. Was werden wohl die Kinder in der Ukraine machen? Und überall auf der Welt, wo man sich des Lebens nicht sicher sein kann…?

Es kommt mir alles so unwirklich vor, während meine Tochter Zauberfee spielt und ich diese Bilder im Liveticker verfolge. Ich wünschte, sie könnte als Zauberfee diesen Wahnsinn verzaubern – und dabei weiß ich gar nicht, welchen Wahnsinn ich meine: den, den die Finanzindustrie durch hochspekulative Gier produziert hat oder den, den die Demonstranten gerade hier verursachen indem sie mit ihrer Aggression Dinge zerstören und das Leben von vollkommen Unschuldigen gefährden.

„Feuerwehrmänner dürfen nie Urlaub machen, oder?!“ ruft die kleine Wissbegierige und es ist eher eine Aussage als eine Frage. Die Feuerwehrmänner sind heute ihre Helden. Auch vor den Polizisten haben wir großen Respekt. Bestimmt hatten sie heute auch Angst. Unsere Wohnung gleicht inzwischen einer Festung. Ob wir wohl heute noch Milch holen gehen?

(Dieser Artikel ist auch unter dem Titel: „Milch holen“ am 23. März 2015 in der FAZ – Frankfurter Allgemeine Zeitung – erschienen)

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Ein Gedanke zu „Kinderfragen, Blockupy und warum Feuerwehrleute HELDEN sind

  1. Ein paar Fragen bleiben noch offen: „Was werden Menschen, die so etwas verantworten müssen , später mal ihren Kindern sagen, wenn diese in ähnliche Situationen kommen? Reicht ihre Gedankenwelt eigentlich soweit, dass sie sich ihre,- und deren Zukunft – überhaupt vorstellen können? Wo endet manchmal der geistige Horizont? peter

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