Sei neugierig und abenteuerlustig!

IMG_6312_klein„Die Neugier hält mich lebendig – das Interesse an dem, was die Begrenzungen meiner Erfahrungen sprengt. Sie lässt mich wachsen, indem sie mich an meine Grenze bringt und darüber hinaus sehen und gehen lässt.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

Pippi Langstrumpf ist der Inbegriff von lebensbejahender ABENTEUERFREUDE (und noch viel mehr). Sie wartet nicht, bis die Welt ihr Aufgaben stellt, sie geht raus und fordert die Welt und die bestürzten Menschen um sich herum auf, mit ihr zu SPIELEN und Regeln zu brechen. Sie erlebt eine Welt voller ÜBERRASCHUNGEN: einmal geht sie mit einem Super-Kleber sogar Wände hoch – hätte sie je so viel Neues erfahren, wenn sie brav Kuchen mit Förmchen im Sandkasten auf dem Spielplatz gebacken hätte?

In Kindern lebt dieser Zauber durch und durch. Sie probieren ständig NEUES aus und stoßen dabei auch an ihre Grenzen. Ich habe noch kein Kind gesehen, das sich davon hat abschrecken lassen, im Gegenteil zu Erwachsenen. Wir machen einen FEHLER und sind verunsichert. Unsere schlecht ausgeprägte Fehlerkultur zwingt innovative Geister in die Knie und erstickt natürliche ENTDECKERFREUDE. Ja, wo gehobelt wird fallen Späne! Bei Pippi Langstrumpf geht der Kleber erst einmal nicht so einfach wieder ab. Und das ist spannend, macht lebendig und EINFALLSREICH

Lass‘ Dich verwirren!

rope-246757_1280„Krise ist ein ungemein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“ (Max Frisch)

Wirkliche VERÄNDERUNG findet da statt, wo ich so stark an meine GRENZEN gekommen bin, dass es nicht mehr anders weiter geht – dass sozusagen alles umgebaut werden muss. Die Krise ist dann eine SCHÖPFERISCHE ZERSTÖRUNG die „not-wendig“ ist (die Not wendet), damit etwas Neues entstehen kann.

Der Neurowissenschaftler Gerald Hüther beschreibt die Synapsen, die gewohnheitsmäßig benutzt werden als „Autobahnen“. Da kennen wir uns aus, da läuft alles fast automatisch und vor allem blitzschnell. Wenn wir uns in einer Krise befinden, brechen die Strukturen dieser Autobahnen und die Synapsen können nicht mehr genauso „fahren“ wie üblicher Weise. Es geht nicht mehr so weiter. Wie denn dann? Das ist noch nicht klar, neue „Straßen“ werden ausprobiert, gepflastert, vorsichtig befahren, erprobt. Sie sind noch brüchig, nicht ganz ausgebaut. Diese Neubildung von Strukturen wird durch den Prozess der Krise erst ERMÖGLICHT. Die Krise ist also sehr produktiv im Neubau von Möglichkeiten.

Max Frisch ergänzt, dass man der Krise nur den Beigeschmack der KATASTROPHE nehmen muss. Wir empfinden Dinge, die wir nicht unter KONTROLLE haben und die uns so stark in unserer Routine verwirren wie eine Krise das tut, als absolut bedrohlich. Und diese gefühlte Katastrophe führt dazu, dass wir den Fokus auf die verlorene „Autobahn“ richten, statt zu sehen, wie neue „Straßen“ gepflastert werden. Lieber steigen wir gar nicht mehr ins Auto und beschwören einen Totalausfall der Fahrt herauf – eine folgenschwere AUFMERKSAMKEITS-FOKUSSIERUNG auf die SCHWACHSTELLE! Wir lassen die alte Vorstellung der lieb gewonnenen, weil gewohnten, Strecke nicht los. Das zieht an unseren Ressourcen, es frisst uns förmlich auf. Wenn wir uns in diesem angstbesetzten Zustand befinden, fällt es uns schwer, Probe zu fahren.

Im Coaching wird dieses „PROBEHANDELN“ auf neuer und noch unbekannter Strecke geübt. Der Coachee wird ermuntert, in Gedanken mal loszufahren und auf den ersten Metern begleitet. Es ist wie beim Fahrradfahren lernen: irgendwann fühlt es sich so an, als wäre man schon immer gefahren. Obwohl wir es alle zu einem früheren Zeitpunkt noch nicht konnten.

Für Krisen braucht es manchmal zwingende IMPULSE von außen. Manchmal sind es auch die zwingenden Impulse von innen. Impulse wirken vollkommen unterschiedlich: mal verwirren sie unseren momentanen Zustand und erhöhen die gefühlte KOMPLEXITÄT und mal bringen sie etwas in uns zum Klingen. Dann spüren wir: ja, das war eine tolle, neue Erfahrung oder ein faszinierender Satz über den wir nachdenken wollen. Um etwas in mir zum Klingen zu bringen, muss ich RESONANZKÖRPER sein, sonst kann der Ton keine Schwingung erzeugen. Stellen wir uns einen Resonanzkörper wie eine Klangschale vor: jemand spielt einen Ton an und erzeugt einen vollen, saftigen Klang. Wenn der Resonanzkörper die Schwingungen ungebremst zulässt. Sich verwirren zu lassen braucht das ZULASSEN genauso.

Die meisten krisenhaften Bewegungen sind „WEG VON“ einem Zustand, der als nicht mehr haltbar empfunden wird. Eine ordentliche VERWIRRUNG löst alte Strukturen auf und ermöglicht Veränderung. Die Griechen haben es in ihrem Wort „Krisis“, das nicht etwa einen hoffnungslosen Zustand beschreibt, sondern den Höhe- oder WENDEPUNKT einer gefährlichen Lage. Ab hier löst sich etwas… und ENTWIRRT sich dabei vielleicht…

Mentor oder Freund: Schaffe Dir Erlebnis- und Reflexionsräume!

Philippe begegnet in der charmanten und berührenden Komödie „Ziemlich beste Freunde“ einem ganz ungewöhnlichen Mentor, der ihm die Lust am Leben wieder vor Augen führt und erleben lässt: dem gerade aus der Haft entlassenen, ungehobelten und empathie-reduzierten Driss. Er wird wider Willen Pfleger des vom Hals an abwärts gelähmten Philippe und schert sich der ernsthaften, schmerzlichen und traurigen Lage zum Trotz nicht darum, Philippe mit Samthandschuhen oder Mitleid anzupacken. Genau das tut Philippe gut. Er beginnt, sich auf die verrücktesten Abenteuer mit Driss einzulassen. Sie tricksen die Polizei mit völlig überhöhter Geschwindigkeit im Maserati sitzend aus, indem sie einen akuten Anfall vortäuschen – woraufhin sie auch noch durch die Straßen von Paris eskortiert werden.

Driss tanzt zu „Kool & The Gang“ und Philippe hört Chopin. Sie öffnen sich gegenseitig Horizonte und werden mehrfach in ihren Überzeugungen durchgerüttelt. Der Junge aus der Vorstadt dreht dem eleganten Mann, der sich wie ein gefrorenes Steak fühlt, das man in eine heiße Pfanne wirft, einen schmerzlindernden Joint. Und der im Rollstuhl sitzende Klassik-Liebhaber nimmt den großmauligen Brillant-Ohrring-Träger mit in eine vierstündige Oper, in der „ein Baum singt“! Die sprühende Lebensfreude der beiden Männer wirkt mitreißend und eines wird klar: Freundschaft kann ungewöhnlicher nicht sein. Im Grunde lehren sie sich gegenseitig, was es bedeutet, sich einem Menschen zu öffnen, in die Lebenswelt des anderen einzutauchen, sich von einer vollkommen anderen Sichtweise inspirieren zu lassen – und was es bedeutet, trotz Widrigkeiten die Lust am Leben gemeinsam zu entdecken.

Der Resilienzfaktor Nr. 1 sind soziale Beziehungen, die uns Rückhalt geben und RÜCKZUGSRÄUME als Stress-Pause ermöglichen. Die Kür sind Beziehungen, die darüber hinaus auch noch Reflexionsräume öffnen, um über Erlebnisse, neue (Bewältigungs-)Ideen, schmerzhafte Momente, unsichere Gefühle, verrückte Pläne und alles, was uns bewegt, reden zu können. Diese Menschen wirken auf uns wie RESONANZRÄUME, die zulassen, fragen, zuhören, uns so sein lassen, wie wir gerade sind – bedingungslos oder bedingungsarm. Vielleicht verstärken oder vermindern sie unsere Emotionen, je nach dem was gerade hilfreich ist. Vielleicht sind sie auch eine Art Kraft-Quelle oder INSPIRATIONS-Quelle. Und manchmal sind es kleine, flüchtige Begegnungen, die genauso wirkungsvoll sein können wie lange, gemeinsame Stunden. Möglicherweise haben diese Menschen auch nur eine kleine, aber für uns in diesem Moment bedeutende, Aufgabe. Wie zum Beispiel, dass sie uns einfach immer mal wieder anrufen und mit dem „Leben da draußen“ VERBINDEN. Manche HELDENwege sind nämlich ziemlich langwierig und zäh. Die Welt scheint einem in diesen Momenten anders, wie eingefärbt von den vorherrschenden Erlebnissen. Da hilft es, ab und zu zu wissen, dass es noch etwas anderes gibt als das unmittelbare Verstrickt-sein in die eigenen Gedanken.

In den Mythen gibt es den Archetyp des „MENTORs“, der dafür steht, den Kampf zwischen dem Ruf (dem Unstimmigkeitsgefühl oder Hingezogen-sein zu etwas anderem) und der Schwelle zu diesem unbekannten Neuen auflöst, indem er den HELD mit Blick auf die Schwelle ausrichtet. Der Mentor interessiert sich für die ENTWICKLUNG des HELDEN und er steht ihm WOHLWOLLEND bei. Auch er kann es sein, der uns diesen wesentlichen Reflexionsraum gibt. Vielleicht ist es aber auch ein Kind, eine Schwester oder ein Bruder, eine Elternfigur oder ein Lehrmeister, die beste Freundin oder der beste Kumpel. Oder, wie in „Ziemlich beste Freunde“, die Begegnung mit einem schrägen Typen, der es geschafft hat, diesen trostlosen Mann wieder ins Leben zu holen.

Manche Mentoren begegnen einem, wie in diesem wunderbaren Film einfach auf dem Weg – zufällig. Dann kommt es uns schicksalshaft vor und wir brauchen lediglich zuzugreifen. Andere Menschen müssen und dürfen wir FRAGEN. Hier gilt, wie so oft: EIGENINITIATIVE ist gefragt! Dafür braucht es die kleine ÜBERWINDUNG, sie in die momentane Lebenslage EINZUWEIHEN und sie einfach zu fragen, ob sie ab und zu ein offenes Ohr für uns haben. Daraus können erstaunliche Vertrauensverhältnisse entstehen. Denn Menschen lieben es, für andere da zu sein, ihnen hilfreich zu sein, sie zu begleiten. So altruistisch es auf den ersten Blick daher kommen mag – letztlich sind das auch GLÜCKSGEFÜHLE für den, der gefragt wird, der dann mit reflektiert, sich zugehörig fühlt und wichtig geworden ist in unserem Leben.

Trau‘ Dich!

Letztlich, so Niklas Luhmann, ist Vertrauen das ZUTRAUEN in die eigenen ERWARTUNGEN. Das bedeutet, ich muss mir erst einmal selbst vertrauen und mich mit diesem SELBSTVERTRAUEN trauen, los zu gehen. Gegenseitiges VERTRAUEN ist die Grundlage von menschlichen Interaktionen und immer ein Zustand zwischen wissen und nicht wissen. Für all das braucht es Zuversicht – und für den ZWEIFLER in uns: „ZUVERSICHT meint nicht die Überzeugung, dass alles gut wird, eher das Vertrauen, dass es SINN machen wird.“ (Bernd Schmid)

Der Held in MATRIX hatte keine große Wahl, sich für oder gegen das ABENTEUER zu entscheiden. Die „blaue oder die rote Pille“ würden ihn entweder in dem Leben lassen, das er kannte und an dem er aber zweifelte, oder in einen Sog der sich überschlagenden Ereignisse ziehen. Er wollte wissen, was sich da abspielt und so stand er blitzschnell mittendrin und sollte die Menschheit vor der Übermacht der Maschinen retten. Seine größten DÄMONEN waren dabei gar nicht die Maschinen, sondern seine ständigen SELBSTZWEIFEL, die er erst überwinden musste, bevor er sich und seinen Kräften vertraute. Dadurch lernte er sich vollkommen neu kennen. Auch das kennen wir aus dem wahren Leben: erst durch das Zutrauen zu sich selbst und seine MENTALE KRAFT, mit der er die Dinge und Geschehnisse vor seinen Augen förmlich tanzen lassen konnte, gelang ihm der Durchbruch.

„Sich trauen heißt, einen Moment lang den HALT zu verlieren. Sich nicht trauen heißt, sich selbst zu VERLIEREN.“ Søren Kierkegaard beschreibt in diesen wunderbaren zwei Sätzen, dass es manchmal der kleine Schritt durch die gefühlte UNSICHERHEIT ist, der uns abhält, unser eigenes GLÜCK in die Hand zu nehmen. Würden wir uns TRAUEN, durch diese Passage des Nicht-Wissens, des in-der-Luft-Hängens, des UNPLANBAREN zu gehen, würden wir uns selbst mehr LEBEN.