Dämon oder Genie?

piazza-del-campidoglio-457903_1280Wie die alten Griechen und Römer kreative Prozesse sahen, ist gleichermaßen konträr wie auch grundähnlich: Beide glaubten, dass Kreativität eine Art göttlicher Diener-Geist ist, der aus einer entfernten, unbekannten Quelle zu den Menschen kommt – aus unerklärlichen Gründen. Die Griechen nannten diesen göttlichen Diener-Geist der Kreativität jedoch mit einer gespenstischen Ehrfurcht „Dämonen“. Von Sokrates ist bekannt, dass er daran glaubte, er hätte Kontakt zu einem Dämon, der ihm Weisheiten aus weiter Ferne mitteilte.

Die Römer hingegen hatten die gleiche Idee, sie nannten diese Art von körperlosem kreativem Geist jedoch ein „Genie“, was dem Übernatürlichen den genialen Erfindergeist lässt und ihn um das Diabolische erleichtert. Über diesen Genius, unseren Schöpfergeist, spricht Elisabeth Gilbert, die Autorin von „Eat, Pray, Love“ in einer inspirierenden Rede auf TED: http://www.ted.com/talks/elizabeth_gilbert_on_genius?language=de

Trau‘ Dich!

Letztlich, so Niklas Luhmann, ist Vertrauen das ZUTRAUEN in die eigenen ERWARTUNGEN. Das bedeutet, ich muss mir erst einmal selbst vertrauen und mich mit diesem SELBSTVERTRAUEN trauen, los zu gehen. Gegenseitiges VERTRAUEN ist die Grundlage von menschlichen Interaktionen und immer ein Zustand zwischen wissen und nicht wissen. Für all das braucht es Zuversicht – und für den ZWEIFLER in uns: „ZUVERSICHT meint nicht die Überzeugung, dass alles gut wird, eher das Vertrauen, dass es SINN machen wird.“ (Bernd Schmid)

Der Held in MATRIX hatte keine große Wahl, sich für oder gegen das ABENTEUER zu entscheiden. Die „blaue oder die rote Pille“ würden ihn entweder in dem Leben lassen, das er kannte und an dem er aber zweifelte, oder in einen Sog der sich überschlagenden Ereignisse ziehen. Er wollte wissen, was sich da abspielt und so stand er blitzschnell mittendrin und sollte die Menschheit vor der Übermacht der Maschinen retten. Seine größten DÄMONEN waren dabei gar nicht die Maschinen, sondern seine ständigen SELBSTZWEIFEL, die er erst überwinden musste, bevor er sich und seinen Kräften vertraute. Dadurch lernte er sich vollkommen neu kennen. Auch das kennen wir aus dem wahren Leben: erst durch das Zutrauen zu sich selbst und seine MENTALE KRAFT, mit der er die Dinge und Geschehnisse vor seinen Augen förmlich tanzen lassen konnte, gelang ihm der Durchbruch.

„Sich trauen heißt, einen Moment lang den HALT zu verlieren. Sich nicht trauen heißt, sich selbst zu VERLIEREN.“ Søren Kierkegaard beschreibt in diesen wunderbaren zwei Sätzen, dass es manchmal der kleine Schritt durch die gefühlte UNSICHERHEIT ist, der uns abhält, unser eigenes GLÜCK in die Hand zu nehmen. Würden wir uns TRAUEN, durch diese Passage des Nicht-Wissens, des in-der-Luft-Hängens, des UNPLANBAREN zu gehen, würden wir uns selbst mehr LEBEN.